CMD: Selbstabschätzung

Herzlich willkommen zum Test.

Im Folgenden haben Sie selbst die Möglichkeit, die Wahrscheinlichkeit einer CMD näher zu bestimmen.

Die folgende Hilfe zur Selbstabschätzung basiert auf meinen Praxiserfahrungen und ist in drei Bereiche unterteilt:

  • Befragung zu wichtigen Indizien für eine CMD
  • Checkliste für sichtbare CMD-Anzeichen
  • Selbsttest der Strukturen und Funktionen

Nehmen Sie sich hierfür ausreichend Zeit, machen Sie die Beobachtungen und Tests ruhig auch mehrfach an verschiedenen Tagen. Und falls Sie unsicher sind, bitten Sie eine andere Person um ihre Einschätzung, zum Beispiel Ihre Partnerin oder Ihren Partner.

Die Auswertung erfolgt am Ende aller drei Bereiche der Selbstabschätzung per E-Mail, entsprechend dem Vorgehen beim Fachspezialisten, der Ihnen seine gesicherte Diagnose auch erst am Ende all seiner gesammelten Eindrücke und Tests geben kann. Denn in den drei Bereichen werden Informationen über unterschiedliche Strukturen, Körpersysteme und Funktionen ermittelt, die erst als Gesamtheit das ganze Puzzlebild ergeben.

Auf Grundlage der Ergebnisse können Sie entscheiden, ob sich Ihr Verdacht erhärtet und Sie diesen von einem mit dem Krankheitsbild CMD vertrauten ganzheitlichen Zahnarzt oder Therapeuten absichern lassen beziehungsweise sich gegebenenfalls in Behandlung begeben. Ihre Auswertung können Sie auch im Vorfeld an den Behandler übermitteln oder zu einem Termin mitbringen. Die Ergebnisse können für den Arzt oder Therapeuten hilfreich sein, denn sie geben Ihren Istzustand sehr differenziert wieder. Und weil die Erhebung so differenziert ist, eignet sie sich auch bestens dazu, Sie bei Ihren Maßnahmen in Sachen CMD zu begleiten.

Während Sie Ihr individuelles Übungsprogramm absolvieren, können Sie zusätzlich zu den subjektiv spürbaren Verbesserungen Ihre Erfolge damit objektiv kontrollieren. Wiederholen Sie dazu, dem Übungsplan gemäß, die Tests nach einem, zwei und drei Monaten. Welche Veränderungen können Sie feststellen?

Befragung zu wichtigen Indizien für eine CMD

Wie bei einer ärztlichen Konsultation stellt die Befragung auch bei dieser Hilfestellung zur Selbstabschätzung den ersten Schritt dar. Die nachfolgend aufgeführten Fragen helfen Ihnen dabei, die ersten Indizien für eine CMD aufzudecken. Manche davon werden Sie sofort beantworten können, für andere werden Sie eventuell ein, zwei Tage benötigen, um sich währenddessen selbst etwas zu beobachten und sich über die Antwort klar zu werden.

Was Sie vor dem Test beachten sollten

Es gibt einige Anzeichen, die sich auch durch das Üben kaum verändern, oder die Veränderungen sind äußerlich nicht sichtbar. Das betrifft im Folgenden »Belastungen der Halswirbelsäule«, »Empfindliche Zähne« und »Bekannte Nahrungsmittelunverträglichkeiten«. Berücksichtigen Sie das bei der Verlaufskontrolle. Dennoch ist es wichtig, dass Sie in den Folgetestungen diese Punkte wie die anderen Punkte bewerten, denn nur so ist der jeweils aktuelle Zustand mit dem vor Aufnahme des Übungsprogramms vergleichbar.

Bitte auf jeder Seite ganz nach oben zur ersten Frage scrollen!

 

1.

Auffällige Knirschgeräusche?


Hat sich schon einmal jemand über nächtliche Knirsch- oder Knackgeräusche bei Ihnen beschwert? Das als »Bruxismus« bezeichnete unbewusste Zähneknirschen und -pressen findet häufig nachts statt, wenn wir die Erlebnisse vom Tag verarbeiten, der Körper muskulär zur Ruhe kommt und über die Kieferarbeit versucht, Spannungen und Unebenheiten im Kieferschluss auszugleichen.

Wie der Sprachgebrauch »Ich habe es zähneknirschend akzeptiert« schon zeigt, ist das Zähneknirschen eine Art Problemlösung. Der Körper nutzt es als Werkzeug, um mit einer unangenehmen Situation fertigzuwerden. Die Geräusche können ziemlich laut sein, sodass zum Beispiel Ihr Partner oder Ihre Partnerin dadurch in der Nachtruhe gestört wird, während Sie selbst hingegen seelenruhig schlafen. Teilen Sie Ihr Bett mit niemandem, so kann Ihnen die Smartphone-App »Do I Grind« helfen, nächtliche Knirschgeräusche aufzunehmen, die Sie sich dann später zur Beurteilung anhören können.

2.

Hatten Sie irgendwann in Ihrem Leben eine starke Belastung der Halswirbelsäule?


Aufgrund des engen Zusammenhangs zwischen Halswirbelsäule und dem Kiefersystem ist dies eine aufschlussreiche Information. Denken Sie ein wenig nach, oft fallen uns solche Zusammenhänge erst nach einer Weile ein. Derartige Belastungen kommen hauptsächlich durch hohe Beschleunigungskräfte bei einem Schleudertrauma im Rahmen von Unfällen oder bei Sportarten mit abrupten Richtungswechseln vor. Folge kann eine bleibende instabile Halswirbelsäule sein, die über Daueranspannung der Nacken- und Kaumuskulatur stabilisiert wird, was wiederum ein Auslöser für eine CMD darstellen kann.

3.

Haben Sie empfindliche Zähne?


Besonders durch die extreme Belastung der Zähne durch das Knirschen und Pressen kann es zu erhöhter Sensibilität auf heiße oder kalte Getränke und Speisen kommen. Auch Süßes oder Saures sowie das Einatmen kalter Luft können den typischen einschießenden, ziehenden Schmerz auslösen. In diesen Fällen liegen durch Zahnschmelzabbau und frei liegende Zahnhälse die Dentinkanälchen, die von Nervenenden durchzogen sind, ungeschützt frei. Oft wird die Entstehung durch einen Zahnfleischrückgang begleitet und noch begünstigt, der bei CMD aufgrund des enormen Drucks auf die Zähne ebenfalls auftreten kann.

4.

Unbewusstes Zungenpressen?


Pressen Sie Ihre Zunge auffällig oft gegen den Gaumen oder die Zähne? Um eine Antwort hierauf geben zu können, ist es gut möglich, dass Sie sich erst beobachten und darüber bewusst werden müssen. Denn üblicherweise fällt uns das nicht auf beziehungsweise wir achten nicht darauf, weil das Zungenpressen nicht direkt schmerzt. Da es häufig mit dem wohl vielen Menschen bekannten Gedankenkarussell und Einschlafstörungen assoziiert ist, können Sie sich dessen am Abend im Bett vermutlich am einfachsten bewusst werden. Spürbar wird es außer über den Zungendruck, der auf längere Zeit auch Zähne verschieben kann, über eine hohe muskuläre Anspannung im Mund-Kiefer-Bereich, besonders des Zungengrunds.

5.

Unbewusstes Wangeneinziehen?


Ziehen Sie Ihre Wangen des Öfteren nach innen? Zum Zungenpressen gesellt sich in vielen Fällen auch das Phänomen der eingezogenen Wangen. Das heißt, die Wangenmuskeln sind ständig aktiv, sie ziehen die Wangen nach innen und erzeugen über die Anspannung einen Unterdruck im Mundraum. Dem entgegenwirken können Sie übrigens, indem Sie ganz einfach den Mund ein klein wenig öffnen. Doch Achtung, leiden Sie an diesem Phänomen, dann wird sich – sobald Sie nicht mehr bewusst dagegenwirken – Ihr Mund automatisch ziemlich schnell wieder schließen, und die Spannung wird sich sehr schnell wieder aufbauen. Also – bringen Sie immer mal wieder Ihre Aufmerksamkeit auf Ihre Wangen, und beobachten Sie, ob diese nach innen gezogen werden.

6.

Andauerndes Stressgefühl?


Fühlen Sie sich häufig oder dauerhaft privat oder beruflich gestresst? Diese Frage zielt auf jegliche Art von psychoemotionalem und psychosozialem Stress ab. Kommen Sie nicht zur Ruhe, hadern Sie mit irgendetwas in Ihrem Leben, müssen Sie sich ständig anpassen und können nicht einfach Sie selbst sein? Fragen Sie sich öfter nach der Sinnhaftigkeit und Bestimmung in Ihrem Leben? Fühlen Sie einmal ehrlich in sich hinein.

7.

Bekannte Nahrungsmittelunverträglichkeiten?


Sind Ihnen Nahrungsmittelunverträglichkeiten, insbesondere eine Histaminintoleranz, bekannt? Diese Frage wird Sie bestimmt wundern. Und zugegeben, es ist zunächst auch nicht so naheliegend, dass im Rahmen dieses Buches eine solche abgefragt wird. Bei CMD-Patienten konnten allerdings tatsächlich auffällig oft Nahrungsmittelunverträglichkeiten beobachtet werden, am häufigsten gegenüber Kuhmilch und Getreide, gefolgt von Nüssen und Ei. Die Histaminintoleranz tritt vorwiegend bei Patienten mit gleichzeitiger Halswirbelsäuleninstabilität auf. Der bei einer CMD vorliegende mentale Stress flutet den Körper mit Stressbotenstoffen wie in diesem Fall Histamin, und auch körperlicher Stress, der durch Nervenreizungen und Entzündungen verursacht wird, wirkt derart. Beim Zustand einer Histaminintoleranz kann das Histamin meist aufgrund eines Mangels der entsprechend notwendigen Enzyme nicht ausreichend wieder abgebaut werden, und es kommt zu Kopfschmerzen, Magen-Darm- Beschwerden, Hitzewallungen und anderen Symptomen. Außer Stress können auch andere Trigger, wie beispielsweise Medikamente und Nahrungsmittel, das Histaminfass zum Überlaufen bringen.

8.

Sichtbare Anzeichen – schauen Sie sich an


Während der folgenden Fragen finden Sie eine Checkliste mit aussagekräftigen Hinweisen auf eine CMD, die Sie durch einfache Betrachtung im Spiegel selbst identifizieren können. Das wird im Fachjargon »Blickdiagnostik « genannt. Hier geht es um Ursachen und Folgen des Zähneknirschens und -pressens, um Asymmetrien von Schädelknochen und um Nervenstörungen und Fehlhaltungen.
9.

Sind Ihre Kieferregion und die Kaumuskulatur stark ausgeprägt?

10.

Ist Ihr Unterkiefer auffällig nach hinten gezogen, nach vorn oder zur Seite verschoben?

11.

Ist die Linie zwischen den beiden oberen Schneidezähnen zu einer Seite verschoben?

12.

Haben Sie abgeschliffene oder brüchige Zähne?

13.

Haben Sie Zahnfüllungen, Zahnersatz, wackelnde oder fehlende Zähne?

14.

Ist auf einer Seite der beiden oberen Zahnreihen erkennbar mehr Platz zwischen den Zähnen?

15.

Haben Sie Zahnabdrücke an den Zungenrändern?

16.

Sind Ihre Lippen oder Innenseiten der Wangen öfter aufgebissen?

17.

Ist Ihr Zahnfleisch zurückgegangen (Parodontose)?

18.

Haben Sie ein zu einer Seite abweichendes Gaumenzäpfchen?

19.

Steht ein Ohr mehr ab, ist eine Gesichtshälfte schmaler oder in der Höhe verschoben?

20.

Ist Ihr Kopf zu einer Seite geneigt oder gedreht?

21.

Steht Ihr Kopf, von der Seite betrachtet, vor den Schultern und ist in den Nacken gezogen?

22.

Sind Ihre Schultern, frontal betrachtet, unterschiedlich hoch?

23.

Ist Ihr Becken, frontal betrachtet, unterschiedlich hoch?

24.

Selbsttest der Strukturen und Funktionen


Nachdem Sie durch reines Betrachten Ihres Körpers schon relativ viele  Informationen rund um die Wahrscheinlichkeit einer CMD sammeln konnten, gehen wir jetzt einen Schritt weiter. Folgende Selbsttests werden Ihnen aufzeigen, inwieweit Ihr Kausystem, insbesondere die Kiefergelenke und die Kaumuskeln, funktionellen und strukturellen Veränderungsprozessen unterliegen und in Ihrer Funktion eingeschränkt sind. Dies wird folgend als »Ergebnis positiv« gewertet – »positiv« heißt in dieser Verwendung aber nicht, dass etwas gut ist, sondern dass etwas zutrifft.
25.

Unrunde Mundöffnung


-  Stellen Sie sich vor einen Spiegel, öffnen Sie langsam den Mund komplett, und schließen Sie ihn dann wieder.
- Ergebnis positiv: Der Unterkiefer bewegt sich nicht in einer Linie, sondern im Zickzack.
- Bedeutung: Die Kaumuskeln sind in Dysbalance, die Ansteuerung über die Nerven und/oder die Kiefergelenke weisen eine Störung auf.
26.

Auffällige Kiefergelenkgeräusche


- Legen Sie in aufrechter Position Ihre Finger locker an die Kiefergelenke und Öffnen und Schließen Sie den Mund mehrmals.
- Ergebnis positiv: Sie nehmen Reibegeräusche, ein Reibegefühl oder ein Knacken wahr.
- Bedeutung: Die Kiefergelenke sind strukturell verändert.
27.

Verkürzte Kaumuskeln



Öffnen Sie im Stehen Ihren Mund komplett, der Kopf bleibt dabei gerade. Legen Sie die drei mittleren Finger Ihrer dominanten Hand zusammen, und testen Sie, ob dieser Drei-Finger-Block hochkant zwischen Ihre Zähne passt.
Ergebnis positiv: Die drei Finger passen nicht oder nur sehr knapp zwischen die Zähne.
Bedeutung: Die schließende Kaumuskulatur ist verspannt oder verkürzt.
28.

Ungleiche Unterkieferbeweglichkeit



Stellen Sie sich vor einen Spiegel und schieben Sie Ihren Unterkiefer vollständig erst nach rechts, dann nach links. Der Kopf bewegt sich dabei nicht.
Ergebnis positiv: Der Unterkiefer lässt sich zu einer Seite weiter verschieben als zur anderen.
Bedeutung: Die tiefen Kaumuskeln gegenüber der Seite mit dem geringeren Bewegungsausmaß sind verspannt oder verkürzt, beziehungsweise eine Gelenkkapsel ist in ihrer Mobilität eingeschränkt.

29.

Druckschmerzhafte Kaumuskulatur



  • Tasten Sie mit festem Druck beidseitig Ihre Kaumuskeln auf Druckschmerzhaftigkeit ab. Orientieren Sie sich dabei an der Abbildung.

  • Ergebnis positiv: Sie finden druckschmerzhafte Punkte oder Punkte, die bei Druck Schmerzen oder Gefühlsstörungen in anderen Körperbereichen, beispielsweise dem Kopf, auslösen.

  • Bedeutung: Die Kaumuskulatur ist verhärtet und hat myofasziale Schmerz- und Triggerpunkte ausgebildet.



30.

Asymmetrische Bissebene



  • Stellen Sie sich vor einen Spiegel. Nehmen Sie zwei Holzspatel oder alternativ zwei breite Eisstiele. Legen Sie diese mit der flachen Seite zwischen Ihre Zahnreihen rechts und links, sodass Sie jeweils mit den Backenzähnen bis zu den Eckzähnen auf den Holzspatel beißen.

  • Ergebnis positiv: Die Spatel bilden keine einheitliche Ebene, sondern mindestens einer der beiden tendiert nach oben oder unten.

  • Bedeutung: Die Bissebene ist asymmetrisch. Gründe können ungleiche Zahnkontakte oder ein Kieferschiefstand sein.


31.

Ungleichmäßige Zahnkontakte


Beißen Sie in aufrechter Position die Zähne wie beim üblichen Mundschluss aufeinander, und versuchen Sie, die Kontaktpunkte zu spüren. Schieben Sie dann den Unterkiefer nach vorn und spüren Sie auch hier, welche Zähne aufeinandertreffen.


Ergebnis positiv: Sie identifizieren eine verstärkte Belastung einer Seite oder eine punktuelle Belastung bestimmter Zähne.


Bedeutung: Die Kauebene ist unsymmetrisch.

32.

Komprimierter Oberkiefer


Tasten Sie mit Ihrer Zunge am oberen Gaumen, ob Sie einen Wall in der Mitte finden, der von hinten nach vorn verläuft.
Ergebnis positiv: Sie finden den beschriebenen Wall.
Bedeutung: Die beiden Oberkieferhälften sind nach innen zur Mitte hin zusammengeschoben und drücken gegeneinander.

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